Flohsamen-Ratgeber

Flohsamenschalen

Flohsamen nennt man die Samen einiger Wegerichgewächse (Plantaginaceae), wie zum Beispiel vom Flohsamenwegerich (Plantago afra bzw. Plantago psyllium), vom Sandwegerich (Plantago arenaria bzw. Plantago indica) sowie dem Indischen Flohsamen (Plantago ovata bzw. Plantago ispaghula). Die Flohsamen sind ca. 1,5 bis 3 mm lang und oval oder elliptisch geformt. Die Samen vom Indischen Flohsamen (auch „blonder Psyllium“ genannt) sind farblich stark variierend, von blass-rosa über graubraun bis hin zu rötlichem Gelb, Samen von Plantago afra und Plantago indica hingegen hellbraun bis schwarzbraun glänzend. Die Samen ähneln von Größe und Farbe her kleinen Flöhen, was auch die Herkunft des Namens erklärt. Für medizinische Zwecke werden heutzutage in erster Linie Indische Flohsamen in Indien und Pakistan sowie Flohsamen von Plantago afra in Spanien und Frankreich angebaut. Auch in der Lebensmittelherstellung werden Flohsamen eingesetzt: zum Beispiel als Bindemittel in glutenfreien Backwaren oder als Zusatz in Müsliriegeln. Die wertvollen und medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe der Flohsamen sind in der Epidermis der Samenschale lokalisiert. Zur Gewinnung der Flohsamenschalen werden die Samen maschinell zerbrochen und die Schalen durch Windsichtung mithilfe eines Gebläses von den schwereren Bestandteilen abgetrennt. Zurück bleiben die leichteren Samenschalen. Die Flohsamenschalen quellen in Anwesenheit von Flüssigkeit auf und es bildet sich eine Schleimschicht um die Samen herum. Sie sind in der Lage, mindestens das Zehnfache ihres Eigengewichts an Flüssigkeit zu binden (Quellzahl >10). Die Schleimstoffe sind ausschließlich in der Epidermis der Samenschale lokalisiert. Die Schalen können deshalb sogar mehr als das Vierzigfache ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufnehmen (Quellzahl >40).

Inhaltsstoffe der Flohsamenschalen

Die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe (Quell- bzw. Schleimstoffe) machen bei Flohsamen von Plantago afra ca. 10-12% der Gesamtmasse aus und enthalten Xylose und Arabinose als Hauptkomponenten und in geringerer Menge Rhamnose und Galacturonsäure. Der Indische Flohsamen enthält 20-30% Schleimstoffe, die hier aus einem weit verzweigten Arabinoxylan besteht und Rhamnose und Galacturonsäure (beides in den Seitenketten gebunden) enthält.

Nutzen und Wirkung der Flohsamenschalen

Flohsamen sind ein seit Jahrhunderten beliebtes und nebenwirkungsarmes Mittel zur Behandlung von Verdauungsproblemen wie Durchfall, Verstopfung, Reizdarmsyndrom sowie zur Senkung von Cholesterin- und Blutzuckerspiegel. Auch zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion werden sie immer häufiger eingesetzt. Flohsamen sind kalorienarm und glutenfrei. Aufgrund der immensen Quellfähigkeit der Samenschalen ist immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, unabhängig davon, ob die ganzen Samen oder Schalen bzw. gemahlene Schalen in Form von reinem Pulver oder in Kapseln eingenommen werden! Sie erhalten Flohsamen-Produkte in Apotheken, Drogerien, Reformhäusern und in zahlreichen Onlineshops. Achten Sie beim Kauf möglichst auf zertifizierte Bioprodukte.

In der Tiermedizin erfreuen sich die vielfältigen Flohsamenprodukte ebenfalls immer größerer Beliebtheit. Flohsamen sind von der EU als Einzelfuttermittel zugelassen. Sie kommen auch bei den Tieren zur Behandlung von Darmproblemen zum Einsatz. Bei Pferden bietet es sich zum Beispiel an, zweimal jährlich eine etwa vierwöchige Flohsamenkur durchzuführen. Hierdurch wird auf sanfte Weise ein Übermaß an Sand, der sich im Verdauungstrakt des Pferdes angesammelt haben kann, entfernt. Je nach Haltungsbedingungen (Stichwort „Sandpaddock“) können dies beträchtliche Mengen Sand sein, die zu schweren Verdauungsstörungen und lebensgefährliche Sandkoliken